[Youtube] Sei wachsam

Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen,
Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen,
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen,
Die Dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen.
Und ich denk’ mir, jeder Schritt zu dem verheiß’nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück.
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen,
Sie nennen es das Volk, aber sie meinen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen,
Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen:
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, – ich halt’ sie arm!

Quelle: http://www.reinhard-mey.de/start/texte/alben/sei-wachsam

[jW] Hasta Siempre, Comandante!

[jW] Weltweite Trauer um Fidel Castro. Kuba hält den Atem an

Am späten Freitag abend (Ortszeit) starb in Havanna der langjährige kubanische Präsident Fidel Castro im Alter von 90 Jahren. Über die traurige Nachricht informierte Kubas Präsident Raúl Castro in einer über alle Fernsehsender des Landes ausgestrahlten Ansprache: »Mit tiefem Schmerz spreche ich zu Ihnen, um unser Volk und die Völker der Welt darüber zu informieren, dass heute, am 25. November um 22.29 Uhr, der Comandante en Jefe der Kubanischen Revolution, Fidel Castro, verstorben ist.« Der Staatsrat der Republik Kuba ordnete eine neuntägige Staatstrauer an.

Lest hier weiter: http://www.jungewelt.de/m/artikel/298084.hasta-siempre-comandante.html

Mehr Eindrücke gibt es hier in einem kubanischen Weblog https://lacubanita2311.wordpress.com/2016/12/01/mis-ojos-ante-la-caravana/

[jW] Die Kubanische Revolution verteidigen

Zum 90. Geburtstag Fidel Castros

von Volker Hermsdorf

Fidel Castro gehört zu den Menschen, die Bertolt Brecht unentbehrlich nannte, weil sie ihr Leben lang kämpfen. Dies ist auch Fidels erklärter Anspruch an sich selbst. Im Bewusstsein seiner nachlassenden Kräfte versicherte er bereits vor mehr als einem Jahr in einem Brief an die Mitglieder des kubanischen Studentenverbandes FEU, er werde »bis zum letzten Atemzug weiterkämpfen«. Der Comandante en Jefe begeht heute seinen 90. Geburtstag. Er hätte nie gedacht, dass er dieses Alter erreichen werde, gestand Fidel Castro vor vier Monaten, in seiner kurzen Rede auf dem VII. Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas (PCC). »Es geschieht nicht als Ergebnis einer Anstrengung, es ist reiner Zufall«, fügte er hinzu. Das mag – angesichts der kaum zu zählenden Mordanschläge auf ihn – zutreffen. Sein Lebensweg ist jedoch über weite Strecken das Ergebnis bewusster Entscheidungen, die er selbst mit einem Zitat des kubanischen Nationalhelden José Martí begründet: »Der wahrhaftige Mensch schaut nicht, auf welcher Seite man besser leben kann, sondern welcher Seite man verpflichtet ist.«

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[jW] Interview mit Heiner Keupp: »›Winner-Kultur‹ setzt sich immer stärker durch«

Gesprochen wird über Erfolge. Wer aber scheitert, der sei selbst schuld. Diese Haltung trägt dazu bei, dass Proteste ausbleiben. Ein Gespräch mit Heiner Keupp

»Und die im Dunklen sieht man nicht.« Unter diesem Titel hielten Sie am Freitag auf dem Armutskongress in Berlin einen Vortrag darüber, warum sich Menschen in prekären Lebenslagen so selten organisieren. Welche Erkenntnisse haben Sie?

Bei den prekär Beschäftigten und Armen sprechen wir von Gruppen, bei denen das Ohnmachtsgefühl besonders stark ausgeprägt ist. Dazu trägt bei, dass sich auch bei uns eine »Winner-Kultur« immer stärker durchsetzt. In den USA ist das schon lange der Fall. Das heißt, man spricht nur über die »Winner«, also die Sieger oder Erfolgreichen. Man erzählt sich gegenseitig, was man alles Tolles hinbekommen hat. Seltener wird darüber gesprochen, dass man vielleicht einmal Unterstützung bräuchte. Auch über die strukturellen Ursachen von Notsituationen wird kaum geredet. Eher wird man persönlich haftbar gemacht, wenn man in einer solchen steckt. Die Ideologie des Neoliberalismus bestärkt das. Ihr zufolge ist jeder seines Glückes Schmied, der einzelne soll sich als »unternehmerisches Selbst« verstehen. Bekommt er dann etwas nicht gut hin, habe er es selbst verbrochen – denn Chancen auf Erfolg würden ja bestehen.

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